Kulturelle Bildung ist für uns die intensive Begegnung und Auseinandersetzung mit den Künsten und Künstler*innen. Wir wollen Kinder und Jugendliche in Bewegung bringen, sie körperlich herausfordern und für unser Metier, die zeitgenössische Tanzkunst, begeistern. Wir vermitteln dabei nicht nur Schritte, Drehungen, Sprünge und Hebungen, sondern auch ein Miteinander-Gefühl.“

Im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher spielen Tanz und Bewegung kaum eine Rolle und nur wenige haben die Möglichkeit, Tanz in schulischen und außerschulischen Kursen zu erleben. Körperliche Ausdrucksformen haben in den gegenwärtigen Bildungslehrplänen keinen selbstständigen Anteil, finden jedoch ihre Verankerung in den Rahmenplänen für Musik, Sport und Deutsch / Darstellendes Spiel. Bei den allermeisten Kindern sind jedoch eine große Bewegungsfreude und das Bedürfnis nach eigenem körperlichen Ausdruck vorhanden.

Ausgehend vom Grundgedanken des Community Dance richtet sich Tanz in Schulen an alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von Geschlecht, Tanzerfahrung und ihrer psycho-motorischen Entwicklung. Tänzerischer Schwerpunkt in den Projekten ist der kreative, zeitgenössische Tanz. Das Erlernen von tanztechnischen Fähigkeiten und die Entwicklung eigener kreativer Bewegungsimpulse zeichnen diese Form des Tanzes aus. Der kreative Tanz ist ein lernanregender Prozess, der positiven Einfluss auf das Lern- und Sozialverhalten der Kinder hat und einen Ausgleich zum Unterricht in den Kernfächern bietet.

Das ganzheitliche Verständnis von Tanz verbindet:

Bewegen Vermittlung von tanztechnischen Grundlagen verschiedenster zeitgenössischer und klassischer Tanztechniken und Förderung des individuellen Körperbewusstseins.

Gestalten Entwicklung eigener Bewegungsideen und -phrasen

Erleben Besuch von Tanzvorstellungen und Mitwirken in Tanzpräsentationen auf der Bühne

Reflektieren Inhaltliche Auseinandersetzung, Bewegungsanalyse und Feedback

Seit dem Schuljahr 2003/2004 führt Perform[d]ance kontinuierliche Schulprojekte durch und hat hierfür eine breite Angebotspalette für Schulen und Kindertagesstätten entwickelt. Vision des Vereins ist es, das jedes Kind im Laufe seiner Schullaufbahn einmal mit Tanz ‚konfrontiert’ wird.

90 Minuten wöchentlich oder für eine intensive Projektwoche kommen erfahrene und engagierte Tanzkünstler in die Schule und bringen Schulklassen oder AGs in Bewegung. Sie vermitteln Grundlagen verschiedener Tanztechniken, improvisieren und entwickeln gemeinsam Bewegungsmaterial und ‑sequenzen, erarbeiten Choreographien, lernen Tanz anzuschauen und darüber zu reden und erleben das Tanz nicht nur eine Kunst- sondern auch eine Ausdrucksform für junge Menschen sein kann. Im Mittelpunkt stehen die kreativ-künstlerische Auseinandersetzung mit Fachthemen und die Begleitung von Lernprozessen. Ergebnis und Prozess spielen gleichermaßen eine entscheidende Rolle. Aufgabe des Projekts ist es, die gestalterischen Fähigkeiten der Schüler zu entwickeln, ihre Ausdrucksfähigkeit zu differenzieren, soziale Verhaltensweisen zu vermitteln und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Belohnung erfahren sie nicht in Form von Zensuren, sondern durch den Applaus des Publikums bei der abschließenden Aufführung.

Vorab wird die Einbindung des Tanz-in-Schulen-Projekts im schulischen Alltag mit der Schulleitung und dem Klassenlehrer / der Klassenlehrerin besprochen. Tanz ist Bestandteil des Lehrplanes für Musik und Sport. Die Schule kann für das Tanzprojekt auch Klassenleiterstunden zur Verfügung stellen. Die Möglichkeiten und Bedürfnisse werden mit jeder Schule individuell ausgelotet. Der Titel Tanzmobil leitet sich von der Mobilität der Tanzkünstler ab. Sie fahren jede Woche zu den Schulklassen und nehmen dafür teilweise einen Weg von 45 km auf sich. Die Projekte finden in der Turnhalle / Aula der Schule oder im Theaterpädagogischen Zentrum in Stralusnd statt.

Angebotsformen

Tanzklasse

Tanztheaterprojekt

Tanz im Rahmen der Ganztagsschule

Projektwoche

Das eigene Experimentieren mit Kreativität, Bewegung und Tanz steht im Vordergrund der Projektwoche. Die Kinder und Jugendlichen entwickeln Bewegungsmaterial und lernen selber Bewegungsabfolgen im Raum und auf Musik zu gestalten. Am Ende der Woche steht eine Präsentation der Workshopergebnisse an, entweder in der Schule oder in einem Theater. In einer einwöchigen »Forschungsreise« suchen Tanzkünstler und Klasse gemeinsam die Auseinandersetzung mit einem von der Schule, der Klasse/Schülergruppe oder auch dem Künstler vorgeschlagenen Thema. Eine Projektwoche ist eine Auszeit vom Schulalltag und erlaubt allen Beteiligten, in einem intensiven Prozess neue Perspektiven zu entdecken.

Fortbildungen für Lehrer*innen und Erzieher*innen

Das Engagement von Künstlern und Lehrern ist Grundvoraussetzung für eine gelungene Kooperation zwischen Schule und außerschulischem Träger kultureller Bildung. Dies kann gefördert werden durch gemeinsame Fortbildungen. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Integration von Tanz in den Schulalltag und die Qualifizierung von an Tanz interessierten Lehrkräften für die Fächer verbindende und Fächer übergreifende Arbeit. Aus soziologischer und bewegungsanalysierender Perspektive werden Möglichkeiten zur Anregung eines bewegten Unterrichtsalltags und Schaffung von Freiräumen für soziales Lernen analysiert. Insbesondere für den Unterricht im Klassenverband ist die Zusammenarbeit zwischen dem Tanzkünstler und dem Sport- oder Musiklehrer von fundamentaler Bedeutung. Beide sollten sich als gleichberechtigte Partner verstehen, welche die jeweils andere Profession und Professionalität kennen und anerkennen.

Occupy Theatre

Im Mittelpunkt der Kooperation zwischen Perform[d]ance e.V., der Integrierten Gesamtschule Grünthal (IGS) und dem Philharmonischen Orchester Vorpommern standen die Schüler der 8. Klassen zweier Jahrgänge, die von internationalen Choreografenteams unter Leitung von Stefan Hahn regelmäßig Tanzunterricht erhielten. In dem strukturschwachen Einzugsgebiet der IGS Grünthal wohnen viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die durch „Occupy Theatre“ zum ersten Mal mit Tanz in Berührung kamen. Am Ende der Schuljahre wurde jeweils eine große Bühnenproduktion, „Mein Name ist Mensch“ und „fremd“, auf den Bühnen der Theater von Stralsund und Greifswald gezeigt. Begleitet wurden die Jugendlichen von der Live-Musik des Philharmonischen Orchesters Vorpommern.

Angelehnt an das Leben und die Songtexte Rio Reisers und seiner Band Ton Steine Scherben beschäftigte sich das Stück „Mein Name ist Mensch“ mit den Themen Entfremdung und Vereinsamung. Ein dreiwöchiger Arbeitsaufenthalt mit intensiven Proben auf einem Bauernhof in Mecklenburg-Vorpommern stellte eine Parallele zu Rio Reisers Leben her, der von 1975 bis zu seinem Tod auf einem Bauernhof im nordfriesischen Fresenhagen lebte. Die Theatersituation von „fremd“ ermöglichte Begegnungen, die in der alltäglichen Lebensrealität für Schüler in Vorpommern nicht vorkommen: Die Stralsunder Jugendlichen aus der Kleinstadt trafen auf Schüler der Berlin-Kreuzberger Hector-Peterson-Sekundarschule, die ebenfalls mit dem Projekt We like China and China likes us“ von TANZFONDS PARTNER gefördert wurde. Gemeinsam gingen sie den Fragen nach: Wo bin ich fremd? Was löst Befremdung in mir aus? Wie fühlt sich Fremde an? In assoziativen Bewegungsbildern zur Orchestermusik, gespielt vom Philharmonischen Orchester Vorpommern, fand das 120-köpfige Tanzensemble darauf Antworten, stellte aber auch neue Fragen. Die Aufführungen fanden außer in Stralsund und Greifwald auch im HAU Hebbel am Ufer in Berlin statt.