Suche

Service

Unterstützen Sie uns!

Perform[d]ance auf Facebook

Diese Internetseite ist für Mozilla Firefox und Safari optimiert.

Matrix

09.2005 . Ostseestaal-Halle, Stralsund

WELCHE WAHRHEIT?

»Dass du ein Sklave bist. Du wur­dest wie alle in die Skla­verei geboren, und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen noch rie­chen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand!«

1999 schrieben die Brüder Wachowski mit „The Matrix“ Film­ge­schichte. Die Inspi­ra­tion des Tanz­thea­ters durch den Film bzw. die Film­tri­logie ist nicht zu leugnen.

„The Matrix“ führt uns in das 22. Jahr­hun­dert. Die Welt wird von Maschinen beherrscht. Der Mensch funk­tio­niert nur noch als Ener­gie­spender für die über­mäch­tige Maschi­nerie. Die reale Welt wurde durch eine von Com­pu­tern gene­rierte und von Agenten bewachte, vir­tu­elle Matrix ver­drängt, in der die Mensch­heit nach klar defi­nierten Regeln künst­lich, jedoch zumeist nichts ahnend wei­ter­lebt. Die Bewohner Zions, dem letzten Zufluchtsort tief im Erd­in­neren, leben in der Hoff­nung und auf der Suche nach dem Aus­er­wählten, der die Befreiung der Mensch­heit beginnen wird. Gespickt mit reli­giösen Meta­phern und bahn­bre­chenden Kame­ra­ein­stel­lungen (bullet-time) fand „The Matrix“ glei­cher­maßen Bewun­derer unter Aka­de­mi­kern und Actionfilm-Fans

Der beson­dere Reiz des Sci­ence Fiction-Genres liegt in der Anbin­dung des Fantastischen/Futuristischen an eine kon­krete gesell­schaft­liche Rea­lität der Gegen­wart. Die Rebel­lion gegen den gesell­schaft­li­chen Kon­for­mismus spielt auch in der Tanztheater-Umsetzung eine maß­geb­liche Rolle. Doch (ver)sucht die Insze­nie­rung nicht den auf­klä­re­ri­schen Pathos Hol­ly­woods zu bedienen.

Die Arbeit mit der Film­vor­lage und der Motion-Tracking-Technologie warf die Frage auf, wie weit wir heute schon in einer Matrix-ähnlichen Welt leben, wie weit unser Alltag von einem, von den Medien mani­pu­lierten, Abbild der Rea­lität bestimmt ist.
Warum funk­tio­nieren wir in einem System, das offen­sicht­lich unzäh­lige Gründe auf­weist, es fun­da­mental in Frage zu stellen? Worauf warten wir? Auf einen Auserwählten?

MENSCHMASCHINE

Com­puter werden immer bil­liger und leis­tungs­fä­higer und können als Uni­ver­sal­ma­schine unzäh­lige Auf­gaben bewäl­tigen. Wenn man die Geschichte der Com­pu­ter­spiele betrachtet, dann ist die Erzeu­gung von Grafik und Sound in Echt­zeit schon lange kein Novum mehr. Ebenso eta­bliert ist die Ver­wen­dung von Sen­soren und Kameras im Zusam­men­hang mit Com­pu­tern. Man denke nur an Web­cams, Tas­tatur und Maus.

WAS ABER MACHT DIESE UNIVERSALMASCHINE AUS?

Jeder Reiz, sei es Licht, Tem­pe­ratur oder Klang befindet sich als pure Infor­ma­tion auf der Com­pu­ter­ebene. Der Maschine ist es egal, wel­chen Begriff wir für diese Infor­ma­tion ver­wenden, es sind ein­fach nur Zahlen. Als Kon­se­quenz läßt sich auf dieser abs­trakten Ebene alles mit allem ver­knüpfen, ver­kop­peln und beein­flussen. Licht beein­flußt Klang, Klang ver­än­dert Bild, Tem­pe­ratur steuert Bewegung.

Der Schlüssel zur krea­tiven Nut­zung dieser Mög­lich­keiten ist Soft­ware als Con­tainer. Diese Soft­ware besteht aus Ideen und Ent­schei­dungen und muß ent­spre­chend der Anwen­dung ent­wi­ckelt werden. Man spricht in diesem Zusam­men­hang häufig von Software-Kunst oder Com­pu­ta­tional Design.
Die Insze­nie­rung Matrix nutzt dieses Prinzip als per­for­mantes Mittel, indem die Bewe­gungen der Tänzer in Ton und Bild über­setzt werden. Durch den Ein­satz von Kameras und Kör­per­sen­soren wird die reak­tive Gestal­tung von Musik und Visua­li­sie­rung im drei­di­men­sio­nalen Raum ermög­licht. Das Bezie­hungs­ge­füge von Körper, Raum und Zeit erfährt eine neue Defi­ni­tion. Der reale, mate­riell gegen­ständ­liche und der ima­te­riell künst­lich geschaf­fene Raum ver­schmelzen für den Zuschauer. Ein Erlebnis, das durch die Ver­bin­dung von medialen und dar­stel­lenden Künsten von hoher künst­le­ri­scher Aktua­lität geprägt ist.

Durch die direkte Bezie­hung zwi­schen den Ele­menten ergeben sich jedoch eine Reihe von Pro­blemen, die aus­ge­lotet werden müssen.

Der Tänzer besitzt mit Hilfe dieser Technik nicht nur seine Kör­per­sprache als Aus­drucks­mittel, son­dern muß fort­wäh­rend seine Aktion im Zusam­men­hang mit der medialen Reak­tion über­prüfen. Umge­kehrt ist der Pro­gram­mierer des Sys­tems ver­pflichtet, sinn­stif­tende Ver­bin­dungen zwi­schen Körper und Medium zu schaffen und gleich­zeitig dem Tänzer keine unmög­li­chen Bewe­gungs­muster zu impli­zieren. Ein wei­teres Pro­blem ist die Trans­pa­renz des Sys­tems, da der Tänzer natür­lich soviel Kon­trolle wie mög­lich besitzen möchte, aber diese Mög­lich­keiten ab einer kri­ti­schen Masse für den Zuschauer nicht mehr nach­voll­ziebar sind. Inwie­weit agiert das System eigen­ständig und impro­vi­siert auf Grund­lage von vor­ge­ge­benen Mus­tern? Wie­viel Ein­fluß hat der Tänzer und wie enspricht dieses Ver­hältnis der Inten­tion des Choreographen?

Für den Pro­gram­mierer, Cho­reo­graph und Tänzer besteht des­halb die künst­le­ri­sche Her­aus­for­de­rung, eine Balance zwi­schen Kom­po­si­tion und Impro­vi­sa­tion zu finden. Die Ent­wick­lung einer Szene ist pro­zess­haft und aus­drück­lich nicht planbar, da Erfah­rungs­werte in der Benut­zung dieses Mit­tels fehlen.

Die zen­trale Frage des Expe­ri­ments jedoch bleibt: Hat der Tänzer die Frei­heit, die geschaf­fene Welt durch seine Bewe­gungen zu beein­flussen – oder bestimmt doch das System die Spielregeln?

Idee & Cho­reo­gra­phie Stefan Hahn
Beset­zung
Live-Musik Musi­ka­li­sche Lei­tung Wie­land Möller, Jens Riedel, Trommel mit! Mareike Grams, Pit-Willi Lorenz, Ines Lorenz, Mar­tina Rittner, Gudrun Sieber, Felix Trende, Renè Wendt
Schü­le­rinnen der IGS-Grünthal Maria Beug, The­resa Ges­sert, Grit Holz, Fran­ziska Karthe, Sarah Rei­necke, Christin Sagert, Sandra Scharf, Julia Weide
Perform[d]ance Ensemble Hen­ri­ette Ahrendt, Anna Hei­den­reich, Carlis Horn, Lisa Müller, Marie Koll, Judith Pie­sche, Ulrike Schmurr, Julia Steffan, Juliane Strelow, Marie Stuchlik, Dajana Voß
Solisten Maik Rie­bort, Julia Gläser, Bern­hard Urbach, Mathias Berndt, Peter Kramer, Tuan Anh Nguyen, Karl Pom­merenke, Paul Wach­holz
Licht­de­sign & Licht­technik Robby Hirche
Ton Chris­tian Malejka
Inter­ac­tive System Design Chris­tian Engler
Sound­de­sign Chris­tian Meinke
Pro­duk­ti­ons­lei­tung Robert Dahlke
Pro­duk­ti­ons­as­sis­tenz Mathias Berndt
Bühne Frank Sei­fert, Thomas Komm
Grafik-Design & Foto­grafie Richard Rocholl
Video Wir machen Bunt. Kiel
PR & Fund­rai­sing Dörte Wolter
Admi­nis­tra­tion & Orga­ni­sa­tion Susan Frömmel
Doku­men­ta­tion Stefan Kirste
Pro­duk­tion Perform[d]ance e. V.

Freund­lich unter­stützt durch das Minis­te­rium für Bil­dung, Wis­sen­schaft und Kulter Meck­len­burg Vor­pom­mern, Han­se­stadt Stral­sund, Lan­des­ver­band der Kinder– und Jugend­kunst­schulen Meck­len­burg Vor­pom­mern, Muthe­sius Kunst­hoch­schule, Ost­see­staal GmbH
Beson­derer Dank gilt den ver­ständ­nis­vollen Eltern und Leh­rern, IGS Grün­thal, Sound Pro­jekt Stral­sund, Carsten Sta­benow, Kunst­haus Junge Kunst­werk­stätten Pankow e. V., Frau Berg, Frau Manthe, Herrn Berndt, Karo­line Bartel, Annette Obliers, Ost­see­staal GmbH, Herrn Eilers, Herrn Nagel, Karina Schulz, Ines Nolte, Alex­andra Krus­zynska, OC Objekt Con­trol, HTG GmbH, Herrn Dahr, Herrn Fisch­bein, Fiel­mann, HTI Pee­ne­münde, Herrn Zache, Herrn Profe, Theater Vor­pom­mern, Chris­tiane Vogel, Kul­tur­kirche St. Jakobi, Franz Trie­be­n­ecker, Petra Gerigk, Deut­sches Mee­res­mu­seum, Herrn Becker, Toi­ToiToi, Herrn Gauge, Gerüstbau Knobloch, Gei­er­tronic Berlin, Per­for­mance Büh­nen­be­darf Berlin